Hört, Ihr Leut, und lasst Euch sagen …
Dilsberg begrüßt gemeinsam mit den Nachtwächtern 2017
1. Januar 2017
  
Der Jahreswechsel wird rund um den Erdball mit unterschiedlichen Ritualen gefeiert. Auch auf dem Dilsberg pflegt man eine jahrzehntelange Tradition, hier feiert man Silvester erst dann, wenn es die Nachtwächter verkünden. Und so wunderte es in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar keinen, als zirka eine viertel Stunde vor Mitternacht in der historischen Bergfeste das Leben erwachte.
 
Obwohl Nebel den Sternenhimmel verdeckte, schritten immer mehr Menschen durch den festlich illuminierten Torbogen und suchten sich erwartungsvoll ein Plätzchen, um einen guten Blick auf die Nachtwächter zu erhaschen. Raureif zauberte auf den Bäumen einen Hauch von Winteridylle, die im Lichterglanz kunstvoll wie bizarre Gebilde leuchteten.
 
Unterdessen stimmten sich die Nachtwächter im Rathaus auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe ein. Obernachtwächter Erwin Lanzer wünschte seinen Mannen einen guten Verlauf und überprüfte mit kritischem Blick ob Dreispitz und das rote Tuch im schwarzen Mantel richtig sitzen, die Hellebarden funkeln und die Kerzen in den Laternen brennen. Das Putzen der Laternen ist jedoch untersagt, denn in Nachtwächterkreisen weiß man: „Wer eine saubere Laternen hat schafft nichts!“ Zur Probe wurde das berühmte Nachtwächterlied angestimmt, dann bestätigte ein Blick auf die Uhr: „Es wird Zeit, lasst uns losgehen!“ Zehn Männer ergriffen ihr blank geputztes Arbeitsgerät und erhellten auf dem Weg zum Torturm mit ihren strahlenden Laternen das Dunkel der Nacht.
 
Ein freudiges Raunen machte die Runde als die ersten Nachtwächter gesichtet wurden. Vorneweg marschierte der Dorfwaibel mit seinem Nachtwächterhorn. Eine Aufgabe die inzwischen Jens Heinzelmann übernommen hat und dafür in diesem Jahr eifrig übte, denn bereits für einen Ton ist eine kräftige Portion Puste vonnöten, umso mehr um diese Stunde, denn es sollen ja zwölf kräftige Töne erklingen. Entsprechend groß war seine Nervosität.
 
 Die Spannung stieg, dann war es soweit, der Nachtwächter setzte sein Horn an und ließ es kraftvoll und klar ertönen, dann stimmten seine Kollegen ihr bekanntes Lied an: „Hört ihr Leut, und lasst euch sagen: unser Glock´ hat Zwölf geschlagen. Das alte Jahr ist vergangen, das neue hat angefangen.“
 
Turnusgemäß begleitete sie bei diesem Jahreswechsel der Musikzug vom Turnerbund, der traditionell das Lied „Großer Gott wir loben dich“ spielte, in das viele Besucher spontan mit einstimmten.
 
„Ein gutes Neues!“, riefen die Nachtwächter und Einheimische wie Gäste erwidern den Wunsch. Die Kirchturmglocken läuten und überall wurden voller Herzlichkeit Glückwünsche ausgetauscht. Hier und dort knallen Sektkorken und man stieß auf ein gutes 2017 an.
 
Außerhalb der Bergfeste sollten gezündete Böller böse Geister vertreiben und Raketen tauchten den dunklen Horizont in eine bunte Farbenpracht. Innerhalb bereiteten bengalische Lichteffekte eine traumhafte Kulisse. Im Mittelpunkt des Geschehens standen jedoch die Nachtwächter, deren Händedruck auch bei diesem Jahreswechsel besonders begehrt war. Kein Wunder, denn man erzählt sich, dass er Glück bringt.
 
Ein besonderer Zwischenstopp wird seit vielen Jahrzehnten in der „Unteren Straße“ eingelegt, wo die Neumanns extra an Silvester das Haus hüten, um Nachtwächter und Musiker auf ihrem Rundgang mit einem Umtrunk zu begrüßen. Hier wird spürbar was Gemeinschaft bedeutet, es wird geherzt und gedrückt, gute Wünsche ausgetauscht und positiv ins Neue Jahr gestartet.
 
Weiter ging es zur nächsten, der insgesamt fünf Stationen, wo Nachwächter und Musiker das Ritual wiederholten. Die Teilnehmer aber nutzten die Stopps, zückten ihre Smartphones und schossen ein Erinnerungsfoto, die Nachtwächter waren ein begehrtes Motiv. Immer wieder erhellte ein Blitz die Nacht und die Dilsberger Originale wanderten als Neujahrsgruß rund um die Welt.
 
Bis sie am Dorfbrunnen eintrafen wo Ortsvorsteher Bernhard Hoffmann die Teilnehmer herzlich willkommen hieß. Er wünschte Gesundheit und Glück für 2017: „Bleiben sie Mensch und achten Ihre Mitmenschen, egal welcher Nationalität und Herkunft, denn alles Gute kommt irgendwann zurück.“
 
Gemeinsam wurde das Neue Jahr begrüßt und auf ein gutes Gelingen angestoßen: „Prosit Neujahr!“
 
Text: boe
Bilder: bz
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