Das alte Jahr ist vergangen, das Neue hat angefangen
Dilsberger Nachtwächter & Besucher begrüßten mit Zuversicht 2011
31. Dezember 2010 - 1. Januar 2011
 

In der Bergfeste Dilsberg ist es seit vielen Jahren Tradition, gemeinsam mit den Nachtwächtern das Neue Jahr zu begrüßen. So herrschte auch bei diesem Jahreswechsel kurz vor Mitternacht ein reges Treiben auf den idyllischen schneebedeckten Gassen. Bei optimalen Temperaturen um den Gefrierpunkt trafen aus allen Richtung Leute am historischen Torturm ein, der festlich geschmückt im Lichterglanz strahlte. Hin und wieder huschte ein verstohlener Blick auf die Uhr, doch es war noch ein wenig Zeit und auf die Mannen von Obernachtwächter Erwin Lanzer war wie stets Verlass.
 

Im Rathaus schwor der Obernachtwächter seine Truppe auf den Rundgang ein. Der viele Schnee erforderte mit den Hellebarden besondere Achtsamkeit. „Ich wünsche einen guten Verlauf, dass wir wieder glücklich hier ankommen.“
 

Seit 25 Jahren gehört Jens Heinzelmann zu den Nachtwächtern und dennoch war diese Silvesternacht für den 2. Dorfwaibel eine ganz Besondere. Erstmals seit vielen Jahren führte er die Gruppe mit seinem Nachtwächterhorn an. „Klar, bin ich aufgeregt, aber ich habe tüchtig geübt und hoffe, dass alles klappt.“, bekannte er, denn es ist gar nicht so einfach dem großen Horn einen Ton zu entlocken und die Puste wird immer knapper je öfter man blasen muss. Nachtwächter Jürgen Maurer, der seinen ersten Silvestergang absolvierte, verspürte ebenfalls Lampenfieber, „Ich schlafe schon zwei Nächte nicht richtig und bin im Neuhof Probe gelaufen.“ Doch beide meisterten ihre Feuerprobe.
 

Die Spannung stieg während sich die größte Nachtwächtergruppe Deutschlands den Weg vom Rathaus zum Tor bahnte. Schon von weitem sah man den Lichterschein ihrer Laternen und die blank geputzten Hellebarden in der Nacht funkeln.
 

Die letzten Sekunden liefen als sich zwölf gestandene Nachtwächter im Halbrund positionierten. Dann setzte der Dorfwaibel sein Nachtwächterhorn an und ließ es kraftvoll zwölf Mal ertönen. Kaum war der letzte Ton verklungen, stimmten die Männer ihr bekanntes Lied an: „Hört ihr Leut, und lasst euch sagen: unser Glock´ hat Zwölf geschlagen. Das alte Jahr ist vergangen, das neue hat angefangen.“
 

Turnusgemäß begleitete der Musikzug des Turnerbunds die Nachtwächter und als sie „Großer Gott wir loben dich“ spielten, sangen viele Besucher spontan und bewegt mit. Ein schöner Brauch, der von allen Generationen geschätzt wird.
 

Die Kirchturmglocken läuteten als Nachtwächter und Musiker der Runde ein gutes Neues Jahr wünschten und voller Herzlichkeit tauschte man gegenseitig Glückwünsche aus. Wunderkerzen versprühten Sterne, hier und dort knallte ein Sektkorken und voller Zuversicht stieß man auf ein gutes Jahr 2011.
 

Die Bergfeste glich einer traumhaften Winteridylle und mit einem wunderschönen Feuerwerk begrüßten viele Bürger das neue Jahr. Offensichtlich mehr Raketen als in den letzten Jahren zauberten fantastische Lichteffekte an den nächtlichen Himmel. Sowohl vom Wohngebiet Bildsacker mit Blick auf die Burg als auch von der evangelischen Kirche mit einer phänomenalen Fernsicht auf die umliegenden Nachbargemeinden, die Vielfalt an Formen und Farben weckte Begeisterung.
 

Doch im Mittelpunkt des Geschehens standen die Nachtwächter in ihren historischen Gewändern. Jeder wollte ihren Händedruck erwischen, von dem man sich erzählt, dass er Glück bringt. Und wer kann das nicht gebrauchen?
 

Die Bevölkerung begleitete Nachwächter und Musiker auf ihrem Rundgang durch die Bergfeste, wo sich an verschiedenen Stationen das Ritual wiederholte.
 

Am Dorfbrunnen hieß Ortsvorsteher Bernhard Hoffmann die Teilnehmer herzlich willkommen und sprach seinen Dank aus. „Ich wünsche ein schönes, erfolgreiches und vor allem gesundes sowie gesegnetes Neues Jahr.“ Er lobte das ehrenamtliche Engagement in der Gemeinde und verkündete, „Laut Astrologen soll das Neue Jahr besser werden, packen wir es an und versuchen das Beste draus zu machen.“
 

Zum Abschluss lud der Musikzug in die Tuchbleichenhalle ein, wo man draußen an der Schneebar und drinnen in fröhlicher Runde den Jahreswechsel gebührend feierte.
 

Das erste nennenswerte Ereignis des jungen Jahres, war ein romantisches und freute den gesamten Musikzug, denn es betraf Trompeterin Susanne Greulich. Im bunten Lichterherz kniete ihr Freund Thomas nieder und hielt um ihre Hand an. Auch wenn die Antwort vor Rührung kaum zu hören war, sie lautete eindeutig Ja.
 

So schön darf das Jahr gern weitergehen freute sich auch Ortsvorsteher Hoffmann und seine Frau Gabi. Als gelungene Überraschung präsentierten sie 2011 in gebackener Form und verteilten es portionsweise unter den Gästen.
 

Kurzfristig und völlig überraschend kam Rudolf Maurer in den Genuss den Dreispitz eines Nachtwächters zu tragen, frei nach der Devise: wie der Sohn, so der Vater. In fröhlicher Runde feierte man gemeinsam mit Freunden und Bekannten bis in den frühen Morgen den ersten Tag des neuen Jahres.
 

Text: bo
Bilder: bz
Bilder Feuerwerk: Dworschak