Mit den Dilsberger Nachtwächtern ins neue Jahrzehnt

2010 mit traditionellem Neujahrsumzug hoffnungsvoll begonnen
1. Januar 2010
 

Keine Nacht ist mit so vielen Bräuchen verknüpft wie Silvester, wo jedes Land und jede Region seine eigenen Traditionen hat, mit denen man einen guten Start ins Neue Jahr verbindet. So auch auf dem beschaulichen Dilsberg, wo kurz vor Mitternacht das Leben erwachte und aus allen Richtungen gut gelaunte Menschen in der historischen Bergfeste eintrafen. Am Torturm, vor dem großen Tannenbaum, warteten Einheimische und Gäste voller Spannung auf die berühmten Dilsberger Nachtwächter mit ihren Laternen und glänzenden Hellebarden, um gemeinsam das neue Jahrzehnt zu beginnen.
 

Obernachtwächter Erwin Lanzer versammelte seine Mannen im Rathaus und stimmte sie auf ihre wichtige Aufgabe ein. In früheren Zeiten sorgten Nachtwächter für Ruhe und Ordnung, beschützten die schlafenden Bürger vor Feuer, Feinden und Dieben, verschlossen Haustüren und Stadttore.
 

Pünktlich zogen sie durch die Gassen und verkündeten, was die Uhr geschlagen hatte. Dieses Ritual wird bis heute in der Silvesternacht, als fester Brauch für Einheimische wie Touristen zelebriert. Gemeinsam den Jahreswechsel zu feiern, eine Tradition die zusammenschweißt und voller Hoffnung das Neue Jahr beginnen lässt.
 

Die letzten Minuten des alten Jahres waren angebrochen, als die ersten Laternen der größten Nachtwächtergruppe Deutschlands gesichtet wurden und sich die wackeren Mannen einen Weg durch die Menschenmenge bahnten. Im Halbrund positionierten sie sich um den Dorfwaibel, den „praetor vigilantum“, mit seinem großen Nachtwächterhorn, in das er zwölf Mal kraftvoll blies.
 

Kaum war der letzte Ton verklungen, da stimmte er gemeinsam mit seinen zehn Kollegen das bekannte Lied an: „Hört, Ihr Leut, und lasst Euch sagen: Unsre Glock' hat Zwölf geschlagen. Das alte Jahr ist vergangen, das neue hat angefangen.“ Bewegend spielte der Musikverein Trachtenkapelle Dilsberg „Großer Gott wir loben dich“, was viele Besucher spontan mitsangen.
 

Nachtwächter und Musiker wünschten ein gutes Neues Jahr und diesen Glückwünschen schlossen sich die Besucher voller Herzlichkeit an. Mit einem Gläschen Sekt stieß man hier und dort auf ein gutes Gelingen an. Aus der Ferne vernahm man die gezündeten Böller und die rings um abgeschossenen Raketen, die die bösen Geister vertreiben sollten und den Horizont in bunter Farbenvielfalt erleuchteten.
 

Die bengalischen Lichteffekte, die Nachtwächter in ihren historischen Gewändern sowie die malerische Kulisse der Bergfeste verzauberten die zahlreichen Besucher auch bei diesem Jahreswechsel in ein neues Jahrzehnt und ließen den einsetzenden Regen in Vergessenheit geraten. Die Bevölkerung begleitete die Nachwächter auf ihrem anschließenden Rundgang durch die Bergfeste, wo sich das Ritual an verschiedenen Stationen wiederholte.
 

Ein Händedruck der Nachtwächter war in dieser Nacht heiß begehrt, denn es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass er Glück soll. An den obligatorischen Zwischenstationen ließen es sich die Anwohner nicht nehmen und hielten wieder Getränke bereit, mit denen auf ein gutes Gelingen angestoßen werden konnte. So fing das Neue Jahr voller Harmonie und Herzlichkeit an.
 

Der Abschluss fand erstmals am Rosenplatz statt, wo Ortsvorsteher Bernhard Hoffmann - umrahmt von glitzernden Wunderkerzen - das Ehrenamt der Bewohner würdigte, für das gezeigte Engagement dankte, Gesundheit und ein gesegnetes 2010 wünschte.
 

Für die Besucher von nah und fern hatten Raoul und Andreas Weber auf dem Platz vor dem Torturm ein einladendes Zelt aufgebaut, wo sie erfrischende sowie wärmende Getränke und einen deftigen Mitternachts-Imbiss anboten. Imposant wirkte die illuminierte evangelische Kirche auf dem gegenüberliegenden Hügel, ein atmosphärischer Blickfang zum Jahreswechsel.
 

Text: boe
Bilder: bz