Traditionell begrüßten die Dilsberger Nachtwächter
das Neue Jahr


Großer Andrang
beim Silvesterumzug in der historischen Bergfeste

31.12.2007/01.01.2008
 

 

Weithin sichtbar liegt der Dilsberg auf einer Kuppe über dem Neckartal. Mit fortschreitender Dunkelheit kehrt innerhalb der historischen Bergfeste normalerweise eine beschauliche Ruhe ein und heimeliges Kerzenlicht schimmert durch die Fensterscheiben. Doch in dieser Nebel verschleierten Silvesternacht war alles ein wenig anders. Kurz vor Mitternacht strömten aus allen Richtungen Menschen herbei und wurden am Rosenplatz mit Schwedenfeuer und Getränken erwartet. Das Leben in den engen Gassen erwachte erneut. Alle warteten gespannt auf die Geisterstunde und die Dilsberger Nachtwächter, welche sich zuverlässig wie immer auf den Weg machten, um am Torturm das Neue Jahr zu verkünden.
 

Früher hatten die Nachtwächter eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn sie sorgten nicht nur für Ruhe und Ordnung in der Nacht, sondern beschützten die schlafenden Bürger vor Feuer, Feinden und Dieben. Gewissenhaft achteten sie auf verschlossene Haustüren sowie Stadttore und verkündeten die genaue Zeit. Dieser Brauch hat sich auf dem Dilsberg bis zum heutigen Tag erhalten. Auch an diesem Jahreswechsel traf sich Obernachtwächter Erwin Lanzer mit seinen Mannen im Rathaus und zog von dort, durch die Menschenmenge zum Torturm. Die größte Nachtwächtergruppe Deutschlands war bis auf eine Ausnahme komplett und so gaben die 15 Männer mit ihrem Nachwuchsnachtwächter Lars ein imposantes Bild ab.
 

Die Laternen leuchteten hell in der Nacht und die Hellebarden funkelten im Lichterschein. Erwartungsvolles Gemurmel säumte ihren Weg und alles deutete darauf hin, dass sich das alte Jahr dem Ende entgegen neigte. Ab und zu huschte ein verstohlener Blick auf die Armbanduhr - nur noch wenige Sekunden, keiner wollte den entscheidenden Moment verpassen.
 

Da ließ der „praetor vigilantum“ (Dorfwaibel) sein Horn kraftvoll zwölf Mal ertönen und kaum war der letzte Ton verhallt, stimmten seine Kollegen das traditionelle Lied an: „Hört, Ihr Leut, und lasst Euch sagen: Unsre Glock' hat Zwölf geschlagen. Das alte Jahr ist vergangen, das neue hat angefangen.“

In diesem Jahr begleitete der Musikverein Trachtenkapelle Dilsberg den Zug und spielte unter der Leitung von Walter Nußko „Großer Gott wir loben dich“. Viele Besucher sangen das bekannte Lied mit, bevor sie sich gegenseitig ein gutes Neues Jahr wünschten und umarmten. Voller Zuversicht wurde mit einem Gläschen Sekt auf ein erfolgreiches Jahr 2008 angestoßen. Für die Dilsberger Bevölkerung mit Sicherheit ein ganz Besonderes, denn das Jahr wird geprägt sein von zahlreichen Veranstaltungen anlässlich der 800 Jahrfeier der Burg, die in dieser Nacht von diversen Farbtönen angestrahlt mystisch wirkte.
 

Glockengeläut vermischt mit dem Knall in der Ferne gezündeter Böller, begleiteten hörbar den Beginn des Neuen Jahres. Der Nachthimmel verfärbte sich von purpurrot zu smaragdgrün oder goldgelb und ließ das außerhalb der Stadtmauer abgeschossene Feuerwerk dezent erahnen. Die malerische Kulisse der historischen Bergfeste, die gestandenen Nachtwächtern mit ihren flackernden Laternen und glänzenden Hellebarden, umrahmt von bengalischen Lichteffekten – begeisterten die Besucher in der Neujahrsnacht.
 

Die Bewohner und Gäste begleiteten die Nachwächter bei ihrem Rundgang durch die Bergfeste, die an mehreren Stationen das Neue Jahr lautstark verkündeten. Danach war Eile geboten, denn der Zug führte weiter zur Tuchbleiche, wo direkt im Anschluss die Proklamation des Jubiläumsjahres stattfand. Die Nachtwächter waren in dieser Nacht sehr gefragt und wurden häufig umarmt, denn wie aus sicherer Quelle zu erfahren war, soll eine Berührung Glück bringen.
 

Da kann 2008 eigentlich nichts mehr schief gehen!

boe/bz