Dilsberger Nachtwächter verkündeten
mit Horn und Gesang
das Neue Jahr

Gut besuchte Bergfeste startete trotz Regen stimmungsvoll ins Jahr 2007

31. Dezember 2006  - 1. Januar 2007

 

Über dem Neckartal thront stolz der Dilsberg und steuerte in beschaulicher Stille dem Jahreswechsel entgegen. Doch kurz vor Mitternacht erwachte das Leben innerhalb der historischen Bergfeste. Von allen Richtungen zogen trotz des niederprasselnden Regens fröhliche Menschen mit bunten Regenschirmen in Richtung Torturm. In angeregter Unterhaltung mit Nachbarn und Freunden vertieft, wurden gespannt die Zeiger der großen Turmuhr verfolgt, um ja nicht die Geisterstunde zu verpassen. Aber dafür sorgten zuverlässig wie immer die Dilsberger Nachtwächter, welche sich rechtzeitig auf den Weg machten um das Neue Jahr zu verkünden.
 

Obernachtwächter Erwin Lanzer hatte seine Mannen im Rathaus versammelt und stimmte sie auf ihre wichtige Aufgabe ein. Obwohl in dieser Silvesternacht vier Mitglieder aus triftigen Gründen verhindert waren, hatten 12 Nachtwächter ihren „Dienst“ angetreten. Verstärkung erhielten sie durch die Türmerin aus Bad Wimpfen, Blanca Knodel, welche die fehlenden Nachtwächter mit Frauenpower souverän ersetzte. In früheren Jahrzehnten sorgten Nachtwächter nachts für Ruhe und Ordnung, beschützten die schlafenden Bürger vor Feuer, Feinden und Dieben, verschlossen Haustüre und Stadttore. Außerdem mussten sie pünktlich die Stunden ansagen und dieses Ritual wird bis heute in der Silvesternacht auf dem Dilsberg, als fester Brauch für Einheimische wie Touristen zelebriert. Diese Tradition findet immer mehr Anhänger und so trifft man sich, um gemeinsam den Jahreswechsel zu erleben.
 

Prickelnde Spannung machte sich breit, als die Nachtwächterlaternen gesichtet wurden und die Männer mit ihren Hellebarden vom Rathaus kommend, sich einen Weg durch die Menschenmassen zum Torturm bahnten. Die Türmerin aus Bad Wimpfen führte gemeinsam mit dem Dorfwaibel, dem „praetor vigilantum“, den Zug an. Punkt Glockenschlag blies Gerhard Horchheimer, wie bereits seit 30 Jahren, zuverlässig zwölf Mal kraftvoll in sein großes Nachtwächterhorn. Nachdem diese Töne verklungen waren, stimmte er gemeinsam mit seinen elf Kollegen das Lied an: „Hört, Ihr Leut, und lasst Euch sagen: Unsre Glock' hat Zwölf geschlagen. Das alte Jahr ist vergangen, das neue hat angefangen.“
 

Voluminös erklang daraufhin vom Musikzug des Turnerbundes, unter der Leitung von Walter Gunst, „Großer Gott wir loben dich“, in welches viele mit einstimmten. Danach wünschte man sich gegenseitig ein gutes Neues Jahr, fiel sich voller Herzlichkeit in die Arme und stieß mit einem Gläschen Sekt auf ein gutes Gelingen an.
 

Aus der Ferne vernahm man die gezündeten Böller und die rings um abgeschossene Raketen erleuchteten den Horizont in bunter Farbenvielfalt. Diese bengalischen Lichteffekte, die Nachtwächter in ihren historischen Gewändern sowie die malerische Kulisse der Bergfeste verzauberten die zahlreichen Besucher auch in der verregneten Neujahrsnacht.
 

Die Bevölkerung begleitete die Nachwächter bei ihrem Rundgang durch die Bergfeste, wo an verschiedenen Stationen ebenfalls das Neue Jahr verkündet wurde. Den Abschluss an der Oberen Straße nutzte Ortsvorsteher-Stellvertreter Bernhard Hoffmann zu einer kleinen Ansprache. Er dankte allen für ihre Teilnahme trotz der widrigen Wetterverhältnisse und wünschte ein gutes Neues Jahr.
 

Übrigens, von einem Nachtwächter umarmt zu werden soll bekanntlich Glück bringen, da kann, bei zwölf Nachtwächtern auf einem Fleck, 2007 eigentlich nur gelingen.
 

 

Da in diesem Jahr turnusgemäß der Musikzug für die musikalische Begleitung zuständig war, hatten sich die Musiker mit ihren Familien in der Tuchbleichenhalle getroffen, wo sie gemeinsam feierten. Nach dem Nachtwächterumzug boten sie den durchnässten Besuchern in ihrer Mitte Asyl und so mancher Mann wurde wieder „warm geblasen“. Diese waren froh und dankbar ein trockenes Plätzchen gefunden zu haben und verbrachten die ersten Stunden des Jahres in geselliger Runde bis in den frühen Morgen.
 


 





 


Text: boe
Bilder: bz