Nachtwächterhorn verkündete
lautstark das Jahr 2006

Traditioneller Neujahrsumzug in der Bergfeste
mit den Dilsberger Nachtwächtern

1. Januar 2006

 

 

Auch dem Kurpfalzradio war zu Ohren gekommen, dass auf dem Dilsberg am Jahreswechsel eine besondere Tradition gepflegt wird und so entsandten sie ihren Reporter Alexander Damber ins Schützenhaus, um für ihre Hörer näheres in Erfahrung zu bringen. In den Interviews konnte er erfahren, dass ursprünglich 12 Nachtwächter geplant waren, für jeden Monat einer. Inzwischen besteht die Gruppe aber aus 15 Männern, dadurch ist für Ersatz gesorgt, falls mal einer ausfällt. Die alten Mäntel waren ausrangierte Bahnuniformen und der Dreispitz (Kopfbedeckung) wurde in Handarbeit von Erwin Lanzer und seiner Mutter gefertigt. Der Begriff Hellebarde war dem Radiomann nicht vertraut aber dem konnte abgeholfen werden. Heutzutage gibt es nur noch die Schweizer Garde, welche offiziell die Hellebarden trägt. Zum Abschluss des Gesprächs wurde das traditionelle Nachtwächterlied, aus akustischen Gründen im Freien, aufgezeichnet. Am Silvestertag konnte man dann im Frühmagazin des Kurpfalzradios den Beitrag verfolgen.

Wiedergabe der Radioaufzeichnung >>>

Eine halbe Stunde vor Mitternacht trafen sich die Nachtwächter im Sitzungssaal des Dilsberger Rathauses und bereiteten sich auf ihren großen Auftritt vor. Der korrekte Sitz der Uniform wurde überprüft und für letzte Feinheiten nochmals „Hand angelegt“. Wie in jedem Jahr lag eine gewisse Spannung in der Luft, besonders bei den beiden „Neuen“ Wolfgang Seidl und Frans Hermans, die zum ersten Mal am historischen Nachtwächterumzug teilnahmen.
 

Je näher der Zeiger in Richtung Geisterstunde wanderte, desto mehr füllten sich die Gassen innerhalb der historischen Bergfeste. Die Silvesternacht auf dem Dilsberg war schon immer etwas Besonderes. Auch bei diesem Jahreswechsel strömten aus allen Himmelsrichtungen die Leute zum Torturm, sicherten sich ein gutes Plätzchen vor dem großen Tannenbaum und warteten gespannt auf die Dilsberger Nachtwächter, um gemeinsam das Neue Jahr zu begrüßen.
 

Dicht gedrängt standen Einheimische und Gäste bei lebhaften Gesprächen zusammen und verstummten erst als sich die Nachtwächter in ihren langen Mänteln, mit ihrem Dreispitz „behütet“, ihren Laternen und Hellebarden vom Rathaus kommend, einen Weg durch die Menge bahnten. Mit ihrem Dorfwaibel (Gerhard Horchheimer) an der Spitze und seinem selbst gefertigtem Nachtwächterhorn signalisierten sie jedem, dass nun jeden Moment das alte Jahr zur Neige geht. Waren in früheren Zeiten die Nachtwächter unentbehrlich, um das Dörfchen vor der Feuergefahr zu schützen, so sind sie heutzutage heiß begehrt, wenn sie traditionell und zuverlässig das Neue Jahr verkünden.
 

Punkt Glockenschlag ertönte 12 Mal das mächtige Nachtwächterhorn und kaum waren diese markanten Töne verklungen, stimmten die Männer das bekannte Lied an: „Hört, ihr Leut, und lasst euch sagen: unsere Glock hat Zwölf geschlagen. Das alte Jahr ist vergangen, das neue hat angefangen.“
 

Anschließend intonierten die Musiker der Trachtenkapelle Dilsberg, unter der Leitung von Walter Nußko, „Großer Gott, wir loben dich.“
 

Spätestens jetzt gingen die Glückwünsche für ein gutes Neues Jahr reihum. Jeder wünschte jedem einen guten Start, es wurde sich umarmt, gedrückt, geküsst und mit Sekt auf ein gutes Gelingen angestoßen. Ein Händedruck der Nachtwächter war sehr gefragt, denn er soll für das Neue Jahr Glück bringen.
 

 

Dann zog man weiter zur nächsten Station am Ende der unteren Straße. Auch hier wurden die Bewohner über den Beginn des Neuen Jahres informiert, ebenso wie zum Abschluss in der Oberen Straße. Ortsvorsteher Stefan Wiltschko, der 2006 auf sein dreißigjähriges Amtsjubiläum zurückblicken kann und dafür im Anschluss in der Tuchbleichenhalle geehrt wurde, gab den Besuchern ein paar "Empfehlungen" für das Neue Jahr mit auf den Weg. Sein Dank galt den Nachtwächtern und der Trachtenkapelle, die den Nachtwächterumzug wieder zu einem Event gemacht hatten.
 

Überhaupt war die 30 heuer eine magische Zahl. Die Nachtwächtertradition, welche von den Dilsberger Sportschützen gepflegt wird, wurde an diesem Jahreswechsel zum 30. Mal von den Mannen um Obernachtwächter Erwin Lanzer, dem praetor vigilantum (Leiter der Nachtwächtergarde), durchgeführt. Das Amt des Nachtwächters betrachten sie als Vermächtnis und Verpflichtung. So empfinden es die Heutigen im Andenken an Vergangenes – auch für die Zukunft und zur großen Freude der Bevölkerung von Nah und Fern.

Fotos: bz
Text: boe