Nachtwächterumzug in Dilsberg
31.12.2004/01.01.2005
 

Und wieder, wie seit knapp dreißig Jahren schon, wanderten die Dilsberger Nachtwächter aus dem örtlichen Sportschützenverein auch um Mitternacht zur Jahreswende von 2004 auf 2005 durch die Gassen des Dilsberger Bergdorfes.

Und wieder erwarteten Scharen von Begrüßungsgästen von überall her am Torturm das neue Jahr. Ganz so viele wie schon früher waren es nicht, aber das konnte die Hüter und Pfleger dieser örtlichen Tradition nicht scheren. Für sie steht schon immer fest, das Wetter und der öffentliche Zuspruch kann sein wie es wolle, die Dilsberger Nachtwächter vollziehen wie früher in der Realität jetzt auch auch ihre Traditionspflege. Und so war es ja schon immer zu Zeiten, als ein Nachtwächter auf dem Dilsberg seinen immerhin verantwortungsvollen Dienst auszuüben hatte. Es ist das Verdienst von Geschichtsforscher Frans Hermans, das vielhundertjährige Berufsbild der Nachtwächter in Burg und Ort Dilsberg in der Broschüre "Die Geschichte der Dilsberger Nachtwächter" (2001) ausführlich durch die Kontinuität aller Zeit hindurch seit dem Mittelalter beschrieben und beleuchtet zu haben.
Der "Boselknecht", der Burgknecht von 1510, war dem Dilsberger Burgkeller untertan und hatte seinen Dienst der "Abhilfe", so der Wortkern dieser verschwundenen Bezeichnung, zum Schutz vor Gefahren von außen zu versehen. Dann im 19.Jh., als

es die einheimischen Dilsberger Bürger verdross, nach harter Feldarbeit zu nächtlicher Stunde ihren Schlaf für die bürgerschaftliche Sicherheit zu opfern, waren es die Ämter, welche einen Vorstoß zur Abschaffung des öffentlichen Nachtwächterdienstes abwehrten und ablehnten. Weil ja überhaupt "die Lage des Ortes eine ganz besondere Vor- und Aufsicht bezüglich schwieriger Personengefahr verlange" !  Nun, das ist jetzt Geschichte, aber keine verlorene;  in unserer Gegenwart kehrt sie in der Person der Nachtwächter aus dem SSV Dilsberg wieder zurück.

 

So gegen 23:55 Uhr wanderte die Nachtwächtergruppe vom Dilsberger Rathaus zum Torturm, postierte sich hier, und dann ließ Dorfwaibel Gerhard Horchheimer das mächtige Horn 12mal erdröhnen, der Nachtwächterchor, wenngleich diesmal etwas dezimiert, spielte seine extra gesteigerte Stimmkraft bei der alten und ewig Sinn und Gemüt ergreifende Weise "Hört ihr Leut und lasst euch sagen..." aus.
 

Damit war das Zeremoniell lange nicht zu Ende: Nun läuteten die Glocken der ev. Kirche, der Musikzug TB 09 Dilsberg fiel ein; der Melodie "Großer Gott wir loben Dich..."konnte und wollte sich niemand entziehen, man konnte erleben, dass sich die Erfahrung des gemeinsamen Singens in unserem Lande noch nicht ganz verloren hat.
 

Und dann ging es durch die Gassen des Dilsbergs weiter, die Nachtwächter vornedran, oben erleuchteten Raketenlichter die Rundform des Dilsbergs, das Temperaturgefälle des gerade rechtzeitig beendeten Nieselregens ließ oben Nebel ganz geheimnisvoll herum - und herunterwabern, und wieder zogen die Bläser und Bläserinnen des Musikzugs unter engagierter Leitung von Dirigent Walter Gunst die mitgehende Hörerschaft mit ihrem Gotteslob in den Bann.
 

Und überall sprach man sich Glückwünsche zu, wobei solche von einem Nachtwächter als berufenem Glücksbringer natürlich besonders begehrt waren...
 

Aber bei der "Sonne" war dann so gegen Glock 1.00  unwiderruflich Ende für den Zug, den Ortsvorsteher Stefan Wiltschko mit einer Ansprache abschloss. Er dankte dabei allen Teilnehmern, den Nachtwächtern mit Obernachtwächter Erwin Lanzer an der Spitze, dem Musikzug mit seiner übergroßen Mannschaft, genauer "Frauenschaft" (großer Beifall!),
 

und ganz besonders zu danken war der "Ortschaftsrats-Gruppe" Bernhard Hoffmann, Karlheinz Streib und Rudolf Maurer. Sie hatten im "Pflug" zum Dilsbergerhof und dann auf dem Nachtwächterumzug in Absprache mit dem Dilsberger Rathaus spontan für die Flutopfer in Südasien gesammelt. Es kamen 600 Euro zusammen, ein stolzer Betrag, welcher einer anerkannten Hilfsorganisation zufließen wird.

 

Impressionen vom Nachtwächterumzug
 

 

Begleitet wurden die Nachtwächter in diesem Jahr vom Regionalfernsehen, dessen Bericht am Sonntag 2. Januar 2005 um 18:45 Uhr vom SWR3 gesendet wird.
 

 

 

 

 
stw/bz 02.01.2005