Herbsttreffen 2004

der

Dilsberger Nachtwächter
30. Oktober 2004

Der Begriff "Nachtwächter" ist bekanntermaßen und irgendwie negativ belastet. Man spricht diesem früher weit verbreiteten Berufsstand, der Gemeinden und Städte zu bewachen hatte - heute sind es andere Objekte - ein nicht gerade schmeichelhaft seriöses Berufsethos und -prestige zu, aus welchen Gründen auch immer. Eine rühmliche Ausnahme sind da die Dilsberger Nachtwächter. Denn nichts und niemand kann sie davon abhalten, alljährlich zur Neujahrsnacht, gleich bei welcher Witterung, wenn sich zuhause "die anderen" es in der gemütlichen Wohnung in Festes- und Feierlaune bequem machen, ihre Runden ums Dorf zu ziehen. Echte Traditionspflege, erst arbeiten, dann mit Maß und Ziel feiern, so lautet der Ehrenkodex der Dilsberger Nachtwächter, mögens auch "die anderen" besser und nicht einmal zutreffend wissen.
Sie, die Dilsberger Nachtwächter, meinen es jedenfalls mit dem, was sie selber als kulturellen Auftrag für den  Dilsberg  verstehen,  sehr  ernst.  Das  wurde  wieder  beim diesjährigen Herbsttreffen  der örtlichen

Nachtwächter im Dilsberger Schützenhaus deutlich gemacht, wo Obernachtwächter Erwin Lanzer in der engagierten Diskussion Regie führte. Engagiert deshalb, weil es um die Frage ging, ob die Dilsberger Nachtwächter bei steigendem Bekanntheitsgrad bald "in aller Welt" auftreten sollten. Nach den Anforderungen zu urteilen könnten die wackeren Wächter vom hohen Neckarhügel ihre Auftritte außerhalb der Dilsberger Stadtmauer wohl bald zum eigenen Beruf machen, aber irgendwie sind die gewachsenen Beanspruchungen noch mit dem wirklichen Beruf, mit der Familie und mit der Arbeit in Haus und Hof in Einklang zu bringen.

Es muss eben immer im Einzelfall entschieden werden, wie viel Nachtwächter für nach außen zur Verfügung stehen. So lautete die salomonische Entscheidung. Und man fand auch einen Weg in der Frage der Beschaffung von Sommerkostümen, die notwendig sind, wenn man außerhalb der rauen Nachtzeiten der Neujahrswende aufzutreten sich verpflichtet hat. Erwin Lanzer dankte Frans Hermans für seine Geschichtsforschungen um die Nachtwächter, Ernst Roth für deren künstlerische Unterstützung, Edgar Ohlhauser für die handwerkliche- er hatte wieder neue alte Lampen angefertigt - und Burkhard Zantopp für die Betreuung der Internetseite. Der Dilsberger "Nachtwächterbetrieb" bringt eben nicht nur Feiern und Vergnügen mit sich, sondern sogar Arbeit ! Und eine gewisse Lebensmaxime und -philosophie schwingt immer mit, wenn zu Ende der Diskussion das Dilsberger Nachtwächterlied gemeinsam gesungen wird. Oder, wie diesmal von Klaus Werner I ausgesucht und vorgegeben, die religiös getönte und wunderbare Nachtwächterweise: "Menschenwachen kann nichts nützen, Gott muss wachen, Gott muss schützen...."


Text: Stefan Wiltschko
Bilder: Burkhard Zantopp