Frühjahrstreffen der Dilsberger Nachtwächter
2. April 2005
 

Zum Frühjahrstreffen der Dilsberger Nachtwächter im Schützenheim konnte Obernachtwächter Erwin Lanzer "seine Mitstreiter" zur Erhaltung altehrwürdiger Dilsberger Traditionen fast vollzählig im Schützenheim begrüßen. Darunter auch Ernst Roth, dem für manche Unternehmung und Unterstützung der Nachtwächtersache gedankt wurde. Zu regeln war bei dieser Sitzung in geselliger Atmosphäre der Jahresablauf für 2005 und andere organisatorische Fragen. Denn seit einiger Zeit drehen die Dilsberger Nachtwächter ihre Runden nicht mehr nur um die Stadtmauer des mittelalterlichen "Stetelins" hoch über dem Neckar, sondern schon in weiteren Regionen. Bekannt waren seit Jahrzehnten die Dilsberger Nachtwächter mit ihren Neujahrsbräuchen immer schon. Ein weiterer "Durchbruch" blieb ihnen vor ca. fünfzehn Jahren versagt.

Denn damals, nach einem Besuch des europäischen Nachtwächtertreffens im Hamburger "Michel", wollte der europäische Nachtwächterkonvent seinen Brauchtumspflegern vom Odenwälder Neckarberg partout die Eigenschaft eben als Nachtwächter nicht zu-, sondern sogar absprechen!  Weil dieselbigen in einer Gruppe aufträten, was nicht nachtwächtergemäß sei. Denn ein richtiger Nachtwächter, so damals bierernst die Turmgucker-Prominenz und sich so unausgesprochen verstehende Konkurrenz, könne nur als Solist und nicht in einer mehrköpfigen Gruppe auftreten. Hätten aber die wackeren europäischen Stundenausrufer  von Gnaden einzig materieller Ambitionen sich etwas mit der reichhaltigen Dilsberger Nachtwächtergeschichte beschäftigt, hätten sie zu ihrer skurrilen Bewertung gar nicht gelangen können.

Frans Hermans hat schon seit langem diese hochinteressante Dorfgeschichte systematisch erforscht. Und so gab es kein Problem, ihn bei dieser Frühjahrssitzung als aktiven und neuen Nachtwächter in dieses erlauchte Dilsberger Kulturgremium aufzunehmen. Er wurde auf dieses Amt mit Handschlag verpflichtet und gab dabei als Hauptbeweggrund für sein Mitmachen die echte Pflege der Tradition unter den Dilsberger Nachtwächtern an. Honoriert hatte dies auch schon die baden-württembergische Nachtwächterzunft beim Treffen ihres Landesverbands in Weil der Stadt am Dreikönigstag 2005. Lange vor der Aufnahme in diesen Verband hatten die Dilsberger Nachtwächter für ihre Tradition z.B. Auftritte im Hambacher und Heidelberger Schloss absolviert. Und so sind sie inzwischen auch schon für Altstadtführungen in Neckargemünd ein fester Faktor geworden.

Aber sie machen nicht alles für alle; echte Tradition und die Neujahrsansage bleiben für die Dilsberger Nachtwächter nach wie vor Mitte und Fundament ihres kulturellen Wirkens. Für dieses Jahr ist die Teilnahme am "Lebendigen Neckar" von Neckargemünd und an der Weihnachtsmeile in der Bergfeste geplant, dazu ein Besuch des 12. Heidelsheimer Reichsstadtfestes. Denn gerade von dieser Ortschaft bei Bruchsal gingen freundschaftliche Impulse nach Dilsberg aus, die dann in die Aufnahme der Dilsberger Nachtwächter in den Landesverband einmündeten. Und weil diese als echte Nachtwächter über eine weite philosophische Sicht der Dinge verfügen und als solche gar so eng nicht sehen, werden einige davon dieses Jahr auch den europäischen Nachtwächterkonvent in Gengenbach besuchen.

Zum Abschluss der  Sitzung verlas Schriftführer Wolfgang Friederichs das mit tiefgründigem Nachtwächterhumor abgefasste Protokoll von der letzten; und Ortsvorsteher Stefan Wiltschko dankte Erwin Lanzer als "Motor" des Dilsberger Nachtwächterlebens.


stw/bz