Nachtwächter erweitern ihren Rundgang durch die Bergfeste

Originelle Führung
bei kleinen wie großen Gästen beliebt

30. Juni 2009

Eine Führung durch die Dilsberger Bergfeste, für Gäste ein empfehlenswertes Muss, erst recht, wenn die über die Region hinaus bekannten Dilsberger Nachtwächter mit Geschichte und Geschichtchen aus früheren Zeiten vertraut machen. Insbesondere Schulklassen verknüpfen ihren Aufenthalt in der Jugendherberge mit einer begehrten Nachtwächterführung durch den historischen Ortskern und buchen bei den Herbergseltern Katharina und Matthias Dreschert frühzeitig den gewünschten Termin.
 

Während der 800 Jahrfeier der Dilsberger Burg im letzten Jahr, konnte man unter den Gewandeten auch viele Pfaffen entdecken und das brachte Obernachtwächter Erwin Lanzer auf die Idee, die Führung um eine weitere Attraktion zu erweitern, die Mönche zu integrieren und während ihres Rundgangs auch die evangelische Kirche zu besuchen. Nach kurzer Rücksprache konnte der Gedanke realisiert werden und nun hatte die vierte Klasse der Grundschule Malsch das Vergnügen und erlebte die Premiere. Aufgeregt erwarteten die Schüler die Nachtwächter in ihren historischen Gewändern, als diese mit ihren Laternen und Hellebarden vor der Jugendherberge eintrafen und sich sowie ihre vielfältigen Aufgaben in früheren Jahren vorstellten.
 

Gemeinsam durchquerte die Gruppe den Torturm und nahm den serpentinenartigen Aufgang zur evangelischen Kirche, wo sie „Pater Waltherus“ begrüßte, einer der Unterzeichner auf der Urkunde mit der Ersterwähnung der Dilsberger Burg aus dem Jahre 1208.
 

Heute lud er die Kinder in die Kirche ein und stellte ihnen die sehenswerten Fensterbilder des Neckarsteinacher Künstlers Peter Valentin Feuerstein vor. Auf der Nordseite sind Szenen aus dem alten Testament, im Mittelschiff aus dem neuen Testament und auf der Südseite aus der Offenbarung zu finden.
 

Neben der Baugeschichte erklärte der Mönch auch die Bedeutung von Ablassbriefen und hatte ein paar Exemplare mitgebracht. Heiß begehrt war vor allem der, welcher seinem Besitzer garantierte, ohne Ärger zu bekommen fünf Mal keine Hausaufgabe machen zu müssen. Da schmunzelten sogar Klassenlehrerin Caroline Zöller sowie Referendarin Adina Brescan und gaben sich geschlagen.
 

Die jungen Schüler stellten lebhaft Fragen, die ihnen die Nachtwächter bereitwillig beantworteten. Ihr Rundgang führte sie weiter zu Burg und Kommandantenhaus, über die Obere Straße zur katholischen Kirche, mit Sicht auf den Wasserturm. Das Interesse an der Geschichte, den Sagen und dem harten Lebensalltag in früheren Jahren, bedingt durch die große, jahrzehntelange Wassernot war geweckt und gebannt lauschten sie den Erzählungen von Nachtwächter Frans Hermans. Die Informationen beschränken sich nicht ausschließlich auf trockene Zahlen, sondern verdeutlichen anhand wahrer Begebenheiten die Entwicklung der historischen Bergfeste.
 

Zurück an der Jugendherberge bliesen die Nachtwächter ein letztes Mal ins große Horn und sangen ihr traditionelles Lied „Hört, ihr Leut´ und lasst euch sagen: unsre Glock´ hat Neun geschlagen.“ Die aufmerksamen Teilnehmer stimmten begeistert in den Refrain mit ein und bedankten sich bei den stattlichen Männern in ihren schwarzen Uniformen.
 

Am Nachmittag hatte die Klasse noch gezittert, ob die Führung überhaupt stattfinden kann, doch zum Glück hatte der kräftige Gewitterregen rechtzeitig aufgehört und die Freude war dementsprechend groß.
 

Text: boe
Bilder: bz