Kirchgang der Nachtwächter- und Türmerzunft

Feierlicher Gottesdienst
mit Aussendung der Heiligen Drei Könige

6. Januar 2008

Der zweite Tag des Treffens der baden-württembergischen Nachtwächter und Türmer fiel traditionell auf den Dreikönigstag und begann deshalb mit einem Kirchgang. Wie in jedem Jahr wurden in diesem Gottesdienst die Sternsinger gesegnet und mit dem großen Auftrag in die Gemeinde geschickt, um für die armen Kinder in der Welt zu sammeln.
 

Gemeinsam mit den Sternsingern zogen die Zunftmitglieder in ihrer Dienstkleidung in die katholische Kirche ein und gestalteten den feierlichen Gottesdienst mit. Vor jeder Bankreihe wurde eine brennende Nachtwächterlaterne platziert und die Hellebarden an den Wänden abgestellt. Die vorderen Reihen füllten Sternsinger, Nachtwächter und Türmer und gaben in ihrer farbenfrohen Bekleidung ein prächtiges Bild ab.
 

Wie eine große Familie füllten Kirchengemeinde, Nachtwächter, Türmer und Sternsinger die Kirche und feierten zusammen einen festlichen Gottesdienst, den der Musikverein Trachtenkapelle Dilsberg unter der Leitung von Walter Nußko musikalisch bereicherte.
 

Zu Beginn sangen die Sternsinger der Gemeinde ihr Lied. Die 50. Aktion Dreikönigssingen steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Sternsinger für die Eine Welt“. Wenn die Sternsinger von Haus zu Haus ziehen, wird die Dankbarkeit der Menschen zum Segen an vielen Stellen in dieser Einen Welt. Bundesweit engagieren sich rund 500.000 Mädchen und Jungen sowie 80.000 jugendliche und erwachsene Begleiter an dieser Aktion.
 

Pfarrer Arthur Steidle dankte den Dilsberger und Mückenlocher Sternsinger für ihren Einsatz und ihre Mühe. Herzlich begrüßte er auch die Nachtwächter und Türmer, die teilweise ganz aus der Nähe seiner Heimatgemeinde Konstanz/Überlingen kamen. Die erste Lesung trug Joachim Müller vor und die zweite Lesung übernahm der Nachtwächter-Gesell aus Markdorf, Winfried Böhm.
 

Für den katholischen Pfarrer ist es ein wichtiger Auftrag, dass alle Christen eins werden. Dazu seien alle aufgefordert zu beten und heil zu werden. Er wünschte der Gemeinde Kraft um gestärkt aus diesem Gottesdienst zu gehen und Freude über die schönen Dinge zu empfinden, die wir erleben dürfen. Danach trugen die Sternsinger ihre Fürbitten vor.
 

Gemeinsam versammelten sich die Kinder um den Altar und sprachen den Segensspruch der Sternsinger. Zum Abschluss bliesen die Türmer von Öhringen: „Nun danket alle Gott“ und das taten die Besucher nur allzu gern. Auch Pfarrer Steidle dankte den Musikern der Trachtenkapelle, dem Organisten Volker Konetschny, der Familie Rühl für die Gesamtorganisation der Sternsinger sowie den Müttern die sich an dieser Aktion beteiligten.

Die Gemeinde sollte am Ende noch ein wenig in der Kirche verweilen, um zuerst die Nachtwächter und Sternsinger ausziehen zu lassen. Dieses Warten lohnte sich, denn jeder Kirchgänger verließ durch das farbenprächtige Spalier der Zunftmitglieder das Gotteshaus und freute sich über die imposante Kulisse an diesem Tag.
 

Der Dilsberger Nachtwächter Frans Hermans führte seine Kollegen aus der baden-württembergischen Zunft von der Kirche über die Obere Straße zur Burg und machte sie in kurzen Auszügen mit der Dilsberger Geschichte vertraut. Ein Schwerpunkt war dabei der Hinweis auf die lange währende Wassernot in der Bergfeste, die erst 1960 mit einer Wasserleitung, so wie wir sie heute kennen, endgültig gelöst werden konnte.
 

Aus Zeitgründen musste sich die Führung auf das Wesentliche beschränken, dazu gehörte aber ohne Zweifel ein Abstecher auf die Dilsberger Burg, deren 800-jähriges Jubiläum in diesem Jahr groß gefeiert wird. In ihren originellen Gewändern passten die Nachtwächter und Türmer bestens in dieses altehrwürdige Gemäuer. Der Öhringer Türmer nutzte den Aufstieg zum Turm und zitierte lautstark aus der Fensteröffnung Götz von Berlichingen.
 

Touristen fragten teilweise verwundert: „Wie seid ihr denn verkleidet?“, worauf der Nachtwächter-Gesell schlagfertig entgegnete: “Nach was sieht es denn aus?“ Nach der amüsanten Aufklärung zogen die Männer weiter in die Tuchbleichenhalle, wo sie bereits vom Musikverein mit musikalischen Klängen zum Frühschoppen erwartet wurden. Die Zunftmitglieder legten diverses Informationsmaterial ihrer Gemeinden zum Mitnehmen aus.
 

Mit schwungvoller Musik begeisterte die Trachtenkapelle, die Stimmung schwappte über und es wurde eifrig im Takt mitgeklatscht. Der Öhringer Turmbläser demonstrierte beeindruckend, dass auch er mit dem Alphorn umzugehen weiß. Seine Zunftkollegen fragte er, was das Wichtigste beim Alphornblasen sei? „Dass man hinterm Alphorn steht!“, lautete die einleuchtende Antwort. Allround-Musiker Walter Nußko konnte dieser Versuchung nicht widerstehen, stand auf der richtigen Seite und entlockte dem Instrument ebenfalls klangvolle Töne. Der Engener Nachtwächter Manfred Seidler begeisterte mit einem alternativen Trommelwirbel vom Feinsten, mit einem leeren Bierkasten als Instrument  .
 

Das gemeinsame Mittagessen in der Jugendherberge bildete den Abschluss unter ein gelungenes Zunfttreffen. Herbergsmutter Katharina Dreschert bereitete ein wohlschmeckendes Mahl für die Gäste zu. Der Rittersaal bot den passenden Rahmen um Nachtwächter, Türmer und Türmerin gebührend zu verabschieden. Zwei wunderschöne Tage neigten sich dem Ende entgegen.
 

Die Türmerin aus Wimpfen verkündete spontan: „Am liebsten würde ich länger bleiben, so schön war es bei euch!“
Ein größeres Kompliment hätte sie den Dilsberger Nachtwächtern nicht machen können.

 

boe/bz